JULCHENS WELT atelier-pferdestube - DAS ALTE ÖRGELI eine wahre Geschichte
   
 
  DAS ALTE ÖRGELI eine wahre Geschichte

                              DAS ALTE ÖRGELI



                                                    
  
              


Eines Tages hörte Julchen ein merkwürdiges quietschen, welches fast wie ein Wimmern oder Weinen klang. Neugierig folgte Sie diesen Tönen, und stellte fest, dass es vom Dachboden her kam. Julchen stellte die Leiter bereit, und kletterte vorsichtig die Sprossen hoch, um dann mit aller Kraft, die schwere Klappe zum Dachboden zu öffnen. 
Das Wimmern war nun deutlich zu hören, und manches Quitschen klang schrecklich!
Julchen wollte das Licht der alten Dachbodenlampe anknipsen, musste aber erst eine neue Glühbirne einschrauben. Als das Licht den Dachboden erhellte, traute es Ihren Augen kaum. In einem Korb winkte Ihr ein alter Teddybär zu und das Rösslein Hü schnaubte und wieherte. "Endlich, endlich kommst Du! " riefen die Beiden. "Das alte Örgeli ist krank, und wird sterben, wenn Du ihm nicht hilfst." Julchen war immer noch sprachlos und wusste nicht so recht, ob sie das alles nur träumte. Aber nein, es war Wirklichkeit! In der Mitte des Dachbodens stand ein uralter, bemalter Bauernschrank. Er war wunderschön und bestimmt über 100 Jahre alt. Aus dem Schrank kamen diese schrecklichen Töne. "Wo ist denn der Schlüssel zu dem Schrank?" fragte Julchen. Sieben Mäuse kamen angewetzt mit ihren flinken, kleinen Beinchen, und riefen: " An der Seite des Schrankes hängt er! Warte, wir holen Ihn Dir." Julchen war noch immer verwirrt, und sah, wie die Mäuse sich wie Zirkusartisten aufeinander stellten, und den Schlüssel vom Haken herunter nahmen. Sogleich machte Julchen den Schrank auf. Es war ein Bild des Jammers !


        


Da lag  ein verstaubtes, zerkratztes und sehr altes Handörgeli. Es hustete fürchterliche Töne. "Bitte hilf mir. Seit Jahrzehnten liege ich hier in diesem Schrank. Staub und Feuchtigkeit haben meinen Balg beschädigt, so dass ich kaum sprechen kann. Die Hitze des Sommers lässt das Holz des Gehäuses schrumpfen, und hat Risse verursacht. Die Kälte des Winters hat den Lack beschödigt." Julchen kamen die Tränen. Das alte Örgeli tat ihr furchtbar leid. Sie beschloss, es nach unten die warme Stube zu nehmen. Natürlich durften auch alle anderen Bewohner des Dachbodens mitkommen. Vielleicht täte ein heisser Kakao dem Örgeli gut? 
Der Holzherd bullerte schon seit dem frühen Morgen gemütlich vor sich hin und das Tannenholz knisterte fröhlich. Julchen stellte das Örgeli auf den uralten, runden Holztisch, und setzte einen Topf Milch auf. Nun fing das Örgeli an zu erzählen. Julchen setzte sich auf ihren Stuhl und hörte zu.



               


 






" Geboren wurde ich in Bern im Musikhaus W.Bestgen und Sohn. Das genaue Datum weiss ich nicht mehr, aber es war wohl so um 1930 herum. Du hättest mich sehen sollen!" sagte das Örgeli stolz. "Das Gehäuse glänzte in tiefschwarzem Lack, die verzierten Diskantverdecke waren in rot-oranger Färbung und der Balg mit wunderschönem, rosa Papier bezogen. Silberfarbene Beschläge gaben mir etwas edles ohne protzig zu wirken. Ich war einfach gemacht, aber wunderschön. Meine Stimme hatte einen klaren, hellen und vielleicht auch etwas melancholischen Klang. Mir wurden Stimmplatten von Dix eingesetzt. Die gehörten zu den Besten damals. So habe ich es zumindest gehört von den Menschen, die mich herstellten." 
Julchen schaute auf den Topf mit der Milch, damit sie nicht verpasst, diesen wegzuziehen, bevor die Milch überkocht. Aber es war noch nicht soweit. Das Örgeli erzählte mit heiserer Stimme weiter:
"Eines Tages, ich war an einem sehr schönen Platz im Schaufenster des Musikhauses ausgestellt, da kam ein kleines Mädchen vorbei. Ungefähr in Deinem Alter, und sie hatte auch solche Zöpfe wie Du. Überhaupt, Du erinnerst mich sehr an sie." Dem Örgeli liefen die Tränen am Balg herunter. Julchen trocknete sie weg, damit der Balg nicht feuchter wird, als er eh schon war.
"Das Mädchen kam jeden Tag an das Fenster, und schaute mich an. Ich glaube, ich hatte mich verliebt in sie," sagte das Örgeli, und lächelte ein wenig. 
"Eines Tages kam das Mädchen mit seiner Mutter, und kauften mich. Ich wurde vorsichtig in eine Holzkiste gelegt, und durfte mit zu Pauline nach Hause. Ja, Pauline hiess das Mädchen."
Das Örgeli schniefte ein wenig, und Julchen hörte, wie die Milch zischte. Oh weh! Schnell den Topf wegziehen, bevor der Milchschaum auf den Herd kommt!
Julchen holte eine riesige Tasse und den Kakao. Fünf grosse Esslöffel Kakaopulver und fünf grosse Esslöffel Zucker tat sie in die Tasse. Dann kippte sie die heisse Milch hinein und rührte alles gut um. "Weisst Du was?" sagte Julchen zum Örgeli. " Jetzt hole ich zwei Strohhalme, und wir machen Blasen in dem Kakao. Das macht riesig Spass!" Das alte Örgeli schaute ein wenig ratlos. Es hatte doch noch nie in seinem Leben mit einem Trinkhalm Blasen in Kakao gemacht. Überhaupt hatte es noch nie Kakao getrunken. "Hoffentlich läuft der Kakao nicht aus den Löchern von meinem Balg heraus." dachte sich das Örgeli. Julchen steckte dem Örgeli einen Strohhalm in den Mund und sagte: " Nun kannst Du einfach da reinpusten. So wie ich." Es sprudelte und blubberte! Das Örgeli machte erst den Balg auf, und dann wieder zu, um die Luft durch den Halm zu drücken. "Heissa! Das macht Spass!" rief das Örgeli, fing an zu lachen und der Kakao bekam ganz viele Blasen. Wie bei einem Schaumbad. 


                

                                       
Nachdem sich die Beiden den Bauch und Balg mit Kakao vollgeschlagen haben, sagte Julchen zum Örgeli: " Ich werde Dich wieder gesund machen ! Ich schraube Dich auf, nehme Dich auseinander, und repariere alle Teile die kaputt sind. Wenn ich etwas nicht weiss, dann rufe ich den Örgeli-Doktor in den Bergen an, und der wird mir helfen. " Sogleich fing Julchen mit ihrem Werk an. Das Örgeli hatte ein wenig Angst, aber es war die einzige Möglichkeit um vielleicht wieder fröhlich Musik machen zu können. Julchen sagte: "Und während ich dich repariere, erzählst Du mir Deine Geschichte weiter, ja?" Der Teddy und das Rösslein Hü riefen:"Dürfen wir auch dabei sein? " Natürlich durften sie. Julchen hob beide auf den Werkzeugschrank , von wo aus sie alles mitverfolgen konnten, und fing sofort an, die Holzteile abzuschrauben, und in die Nähe des Ofens zustellen. Das Holz des Örgelis musste erstmal sanft trocknen. 

                           

Julchen baute nun die Stimmstöcke aus. Alle Stimmplatten mussten gereinigt werden. Der Rost und anderer Dreck, der sich im laufe der Jahre angesammelt hatte, wurde vorsichtig mit einem alten Küchenmesser abgeschabt, damit die Töne wieder sauber und klar vom Örgeli gesungen werden können. Was für eine Heidenarbeit! Den Balg hängte Sie zum trocknen an eine Stange. Julchens kleine Freunde, die Mäuse, hatten viel Spass mit dem Örgeli. Sie kletterten hoch und runter, und führten teilweise richtige Zirkusstücke vor. Die Bande war manchmal ganz schön laut. Das alte Örgeli fühlte sich  geborgen, und war froh, dass es endlich wieder ei
n Zuhause hatte, und nicht mehr alleine war. 

                             

"Weisst Du, die kleine Pauline, sie hatte mich sehr gerne, und übte jeden Tag Lieder mit mir. Wir waren gar nicht so schlecht, " sagte das Örgeli zu Julchen. " Doch eines Tages, es war Weihnachten, da wurde alles anders." Das Örgeli wurde wieder ein wenig traurig, als es erzählte. "Wir spielten wunderschöne Weihnachtslieder und waren glücklich. Paulines Mutter sagte auf einmal: "Pauline, nun darfst Du Dein Geschenk aufmachen. " Ein riesiges Paket lag neben dem Weihnachtsbaum. das Mädchen öffnete es und bekam leuchtende, strahlende Augen! Ein  grosses Akkordeon kam zum Vorschein! Es war mit Perlmutt überzogen, glitzerte und glänzte, und hatte unglaublich viele Knöpfe. Pauline fing sogleich an zu spielen! Die Mutter sagte zu Ihr: "Ich finde Du bist nun zu gross für dieses kleine, Örgeli. Darum bekommst Du nun dieses richtige Akkordeon und kannst damit später auf die Konzertbühne." 
 

   
                                   

"Von da an war ich vergessen", sagte das Örgeli leise und traurig. " Pauline spielte nur noch mit dem dicken , grossen Kerl. Ich wurde  auf den Dachboden gebracht, und den alten Schrank gelegt, in dem Du mich gefunden hast. Es war dunkel, kalt, und ich war furchtbar einsam und traurig. Oft hörte ich, wie es unten in der Stube fröhlich zu und her ging. Die Akkordeonmusik drang durch die Holzwände, und ich muss gestehen, es klang schön.
Eines Tages hörte ich, wie Pauline nach oben kam. Sie stellte viele ihrer Spielsachen auf den Dachboden, und sagte etwas von Umzug, und Entrümpeln und sowas. Der alte Teddy wurde in einen alten Korb geworfen und das Rösslein Hü einfach lieblos abgestellt. Auf einmal war es ganz still im ganzen Haus. Die Familie zog woanders hin, und stellte ein Schild vor dem Haus auf:
                                 
                                         ZU VERKAUFEN

Die Dachbodenlampe brannte noch eine Weile, bis die Glühbirne von alleine ausging. Dann war es, als ob das Haus in einen langen, tiefen Schlaf versank. Still, dunkel und vergessen. So wie wir alle, da oben unter dem Dach." seufzte das Örgeli in den tiefsten Basstönen.









Aufmerksam hörte Julchen zu und bastelte währendessen an einer neuen Holzkiste für das Örgeli. Es sollte doch von nun an einen warmen, geborgenen Schlafplatz haben. Das Rösslein Hü half fleissig mit, und brachte die Nägel. Warm bullerte der Kachelofen vor sich hin.  Auf der Ofensitzbank räkelten sich faul die Mäuse, und beobachteten genau, was in der Stube passierte. 




                  


Julchen sagte zum Örgeli:" Das Haus stand Jahrzehnte lang leer! Keiner wollte es haben, weil es alt, schief und krumm ist. Wie schrecklich muss diese Zeit für Dich gewesen sein! Und auch für die anderen Spielsachen. Was für ein Glück für uns alle, dass ich hier eingezogen bin", freute sich Julchen und summte fröhlich eine Melodie vor sich hin. Das Örgeli hatte ja nun mittlerweile wieder eine gesunde Stimme, und versuchte die richtigen Töne zu der Melodie zu finden. 
Das alte Haus war ausgefüllt mit Fröhlichkeit und Wärme. Die Holzbalken knacksten und knarzten vor Freude, die Dachziegel wackelten im Takt und wenn man draussen vor dem Haus stand, dann hatte man das Gefühl, als ob das Licht ein klein wenig heller und wärmer schien, als in allen anderen Häusern.
Julchen schaute aus dem Fenster und sagte freudig: " Schaut mal, meine lieben Freunde, es hat angefangen zu schneien! Ach wie wunderschön alles aussehen wird! In ein paar Tagen ist Weihnachten! Wollen wir dann zu den grossen Weihnachtstannen auf dem kleinen Hügel gehen und Lieder singen?" Hü, Teddy und die Mäuse tanzten vor Freude durch die Stube und Julchen jubelte aufgeregt zum Örgeli: "Bis Weihnachten bist Du wieder ganz gesund. Ich muss nur noch ein wenig den Lack polieren! Und....Ach herrjehh....! Wir müssen sofort anfangen unser Örgeli-Lied zu üben!" rief sie fröhlich. Alle, auch die Mäuse fingen an den Text und die Melodie einzustudieren.  

Das Weihnachtsfest

Am Morgen des 24.ten Dezembers,  rannten alle ans Fenster. Ja, es schneite immer noch! Alles war weiß und die alten Tannen, oben auf dem kleinen Hügel, trugen ihr prächtigstes Weihnachtskleid. Julchen sagte zu ihren Freunden: "Macht eure Schlitten und Skier bereit. Wir werden bei den alten Tannen feiern! Sie freuen sich schon sehr auf unser Lied."
Hü zog sich seine Winterkufen an und die Mäuse holten ihre Skier und fuhren los. Teddy und Julchen mit dem Örgeli, gingen zu Fuß. Als sie ankamen ging gerade der Mond auf und ein paar Kerzen brannten in den Ästen der Tannen. Wer hatte die wohl angemacht? Bis heute weiß das niemand so recht. Das alte Örgeli war zutiefst berührt und sagte überglücklich: "Dies ist das schönste Weihnachtsfest, dass ich je erlebt habe! Und nun lasst uns alle zusammen unser Lied singen!"


           



 

S’ Liäd vom Alte Örgeli


Es isch e mal es Örgeli,

Vergässe im ne Dachstock gsi.

Einsam, truurig, stumm und chrank,

isch’s glääge im ne alte Schrank.


Doch dänn hätt es Meiteli,

eis e  so, wie Du und i,

 Türe uufgmacht vo dem Schrank 

Und nimmt das Örgeli i d’Hand.


Ohjeeeh…Ohjeeeh…Ojeeeh..

Liäbs Örgeli, was sich au gscheh?

Ohh jehh ohh jehhh, 

Es tuet mer im Härze weh


Es hätt’s mit aabe gno i d’Stuube

holt Nägel, Liim und es paar Schruube

und seit zum Örgeli fidel:

„Mir beide flicket jetzt eusi Seel!“


De Balg und s’Holz hät’s repariert,

Und alles wunderschön poliert!

S’hät umegeschruubet mängi Stund,

doch jetzt isch das Örgeli wieder gesund!


Juheee… Juheee… Juheee…

Händ ihr das schöne Örgeli geh?

Juheee… Juheee …Juheee…

Es tuet em nüt meh weh!



S’isch mi beschti Fründin worde

Vertriebt mer Chummer und au Sorge.

Und häsch au Du es Örgeli,

So stimm mit mir i das Liädli ii.


Juheee….Juheee…Juheee…

Händ Ihr das schöne Örgeli gseh?

Juheee…Juheee…Juheee…
Es macht mers läbe schön!



Frohe Weihnachten wünschen Julchen und ihre Freunde



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1.DEZEMBER 2018 WEIHNACHTSMARKT!!
 
Es ist wieder Weihnachtsmarkt in unserem Dorf!! Viele bunte Stände an dem urgemütlichen Standort beim alten Bauernhaus gegenüber vom Schulhaus!!
 
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WER KEINE MEISE HAT, IST ARM DRAN